Grundlagen der Gestaltung

Das Wissen um die Phänomene wie Gesehenes wahrgenommen und bewertet wird, ist in den Gestaltgesetzen zusammengefasst. Anwendung finden die Gesetze im Design unterschiedlichster Medien. Sie bilden die Grundlage für das Design von Webseiten, Werbematerialien, Präsentationen und sie finden auch im Produktdesign Anwendung. 

Das, was wir sehen, ist mehr als nur die Summe der dargestellten Teile. Das Gehirn konstruiert Formen in eigentlich zusammenhanglose Linien. Zum Beispiel sehen wir ein Gesicht, wo nur zwei Punkte und Linien sind 
Das Wissen um die Phänomene wie Gesehenes wahrgenommen und bewertet wird, ist in den Gestaltgesetzen zusammengefasst. Anwendung finden die Gesetze im Design unterschiedlichster Medien. Sie bilden die Grundlage für das Design von Webseiten, Werbematerialien, Präsentationen und sie finden auch im Produktdesign Anwendung. Zum Beispiel im Aufbau einer Tastatur oder dem Bedienfeld einer Waschmaschine.

“Good design is actually a lot harder to notice than poor design, in part because good designs fit our needs so well that the design is invisible.”

Don Norman

Gestaltgesetze

Es gibt, je nach Autor, zwischen sieben und 114 Gestaltgesetze. Ich habe neun herausgesucht, die für die Gestaltung von User Interfaces grundlegend sind.

  • Figur und Grund
  • Symmetrie
  • Einfachheit
  • Nähe
  • Kontinuität
  • Ähnlichkeit
  • Prägnanz
  • Geschlossenheit
  • Verbundenheit

Figur und Grund

Das menschliche Auge trennt wahrgenommene Bilder in Figur und Hintergrund. Beobachten wir ein Flugzeug beim Starten, so nehmen wir das Flugzeug als Figur und den Himmel, die Landschaft und Landebahn als Hintergrund wahr.
Kleinere und geschlossene Bereiche werden als Figur wahrgenommen. Dieser Effekt ist besonders stark bei symmetrischen und konvexen Formen. Die Figur zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich und wird leichter im Gedächtnis behalten. Der Grund erstreckt sich hinter der Figur als ungeformtes Material.
Wenn Figur und Grund vom Gehirn nicht klar getrennt werden können, kommt es zu Kippbildern – siehe Bild unten.
Für ein gelungenes Design ist es daher wichtig, eine deutliche Trennung zwischen Figur und Grund zu berücksichtigen, sodass funktionale Einheiten vom Hintergrund unterschieden werden können.

Gesetz der Symmetrie

Das Gehirn versucht stets Figuren zu erkennen und nimmt deshalb symmetrisch angeordnete Elemente stärker wahr als zufällig platzierte. Symmetrisch Angeordnetes tritt in den Vordergrund, zufällig Platziertes erscheint im Hintergrund. Symmetrisches wirkt aufgeräumt und bleibt besser im Gedächtnis.
Dieser Effekt kann bewusst eingesetzt werden, um die Aufmerksamkeit zu führen und den Fokus auf das Wesentliche zu lenken. Symmetrisches wirkt harmonisch, ausgeglichen und aufgeräumt. Unausgewogene, nicht symmetrische Screendesigns stören dagegen die Betrachtung und können vom eigentlichen Ziel der Seite ablenken.

Gesetz der Einfachheit

Bei einer Figur, die auf mehrere Arten interpretiert werden kann, nimmt das Auge stets die einfachste Form wahr. Im Design ist daher darauf zu achten, dass es nicht zu Fehlinterpretationen kommt. Man kennt dies von schlechten Logos, in denen unbeabsichtigte Formen zu erkennen sind.
Im Bild oben sehen wir links zwei übereinander liegende Quadrate, kein Achteck oder aneinandergereihte Dreiecke. Dies funktioniert genauso bei flächigen Objekten. Rechts interpretiert das Gehirn ebenfalls die zwei einfachsten Formen, aus denen die Gestalt gebildet ist.

Gesetz der Nähe

Nah beieinander liegende Objekte werden vom Auge gruppiert und als Einheit wahrgenommen. Dies kann genutzt werden, um thematische Zusammenhänge darzustellen. Generell sollten zusammengehörige Objekte nah beieinander positioniert werden. Im Webdesign findet man die Anwendung dieses Gesetzes häufig in der Positionierung von Kacheln.

Gesetz der Kontinuität

… auch Gesetz der guten Fortsetzung genannt.
Linien geben eine Richtung vor, denen die Augen folgen. Im Bild oben links sehen wir zwei sich kreuzende Linien und nicht etwa zwei im rechten Winkel abknickende Linien.
Anwendung findet dieses Gesetz bei der Anordnung von Text. Eine Liste von Texten ist leichter lesbar, wenn alle Texte an einer Linie ausgerichtet sind.

Gesetz der Ähnlichkeit

Ähnliches wird als zusammengehörig wahrgenommen. Die Ähnlichkeit kann durch Farbe, Form, Größe, Textur oder Bewegungsrichtung erzeugt werden.
Im Umkehrschluss dieses Gesetztes werden in einer Menge von Objekten jene zuerst wahrgenommen, die sich von den anderen unterscheiden. Dies kann im Design zur Hervorhebung wichtiger Informationen dienen. Im Bild oben rechts wirken die Quadrate zusammengehörig und der Kreis steht im Fokus der Aufmerksamkeit.

Gesetz der Geschlossenheit

Das menschliche Gehirn vervollständigt fehlende Teile einer Figur automatisch. Im Bild oben sehen wir ein Quadrat, zwei Dreiecke und einen Würfel, obwohl keines der Objekte tatsächlich abgebildet ist. Die Abbildung der Ecken genügt und wir nehmen sogar einen dreidimensionalen Körper wie den Würfel wahr. Voraussetzung hierfür ist die Vertrautheit mit der angedeuteten Form – wer nie einen Panda gesehen hat, wird im WWF-Logo eine andere Form oder nur schwarze Flecken sehen.
Dieses Gestaltungsgesetz kann zur Reduzierung eines Designs und als Stilmittel genutzt werden.

Gesetz der Verbundenheit

Miteinander verbundene Objekte werden als Einheit wahrgenommen. Dieses Gesetz wirkt stärker als das Gesetz der Nähe oder Ähnlichkeit. Umriss- oder Verbindungslinien sind daher ein effektives Mittel zur Gruppierung von Objekten.

Anwendung der Gestaltgesetze

Die Gestaltgesetze bilden die Grundlage einer guten Gestaltung. Bei Designs, die mehrheitlich als schlecht und unprofessionell empfunden werden, wurden diese Gesetze mit Sicherheit nicht angewendet. Sie helfen aufzuräumen, klare Linien und Strukturen zu schaffen und den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Das Kennen und Anwenden der Gestaltgesetze macht natürlich noch niemanden zu einem Designer, sie helfen aber das Aussehen von Präsentation, Dokumenten und UIs zu verbessern und ein professionelleres Erscheinungsbild zu erzielen.