Einsatz des SharePoint-Frameworks in Unternehmen

Die erste Frage, die man sich im Rahmen der Planung von Lösungen für Unternehmen mit Bezug auf das SharePoint-Framework (SPFx) stellen sollte, lautet: Lohnt es sich bzw. macht es Sinn, das SPFx schon produktiv einzusetzen? Die Antwort darauf ist ganz klar noch nicht klar: Es kommt darauf an. Dies soll kurz erläutert werden.

Das SPFx ist für die allgemeine Verfügbarkeit und den Einsatz in produktiven Umgebungen bereits am 23. Februar diesen Jahres freigegeben worden. Es bringt sehr viele Vorteile mit sich, wie z.B.:

  • SPFx-Lösungen werden als Webparts auf Office-365-Seiten bereitgestellt und können die Funktionalität von Seiten in sehr kleinem bis größerem Umfang erweitern
  • SPFx-Webparts können auf klassischen Webpartseiten, Veröffentlichungsseiten und auf modernen Seiten in Office 365 bereitgestellt werden
  • SPFx-Webparts sind clientseitig und können mit beliebigen Browser-Frameworks entwickelt werden (z.B. Angular oder React)
  • SPFx-Lösungen müssen, ähnlich wie SharePoint-Add-Ins, nur einmal in einem Office-365-Tenant bereitgestellt und genehmigt werden, damit jeder Benutzer sie auf seiner Website einbinden kann
  • SPFx-Webparts laufen im Kontext des aktuellen Benutzers
  • Unterstützung für Custom Actions und JSLink​ wurde als Developer Preview​ released

SPFx-Webparts können die allseits beliebte JavaScript-Einbettung per Skript-Editor-Webpart auf SharePoint-Seiten ersetzen. Diese ist zwar simpel und für Entwickler schnell umsetzbar, hat aber geringeren Wiederverwendungswert, da ein auf diese Weise eingebettetes Skript auf einer anderen Seite oder einer anderen Umgebung oftmals individuell angepasst werden muss vom Entwickler. Endanwender haben dabei kaum Konfigurationsmöglichkeiten. In SharePoint Online besteht auch die Gefahr, dass das Skript nach Updates durch Microsoft nicht mehr funktioniert, wenn bestimmte Abhängigkeiten bestehen. Das Skript-Editor-Webpart ist außerdem nur verfügbar, wenn benutzerdefiniertes Skript nicht in den Administrationseinstellungen gesperrt wurde.

Das SharePoint-Add-In-Model bietet bereits eine Lösung für diese Probleme. Damit lassen sich mit einem gewissen Aufwand leicht wieder verwendbare SharePoint-Lösungen erstellen, die sowohl in On-Premise-Umgebungen als auch in Office 365 bereitgestellt werden können und bei Bedarf Konfigurationsmöglichkeiten für die Endanwender bieten. Allerdings laufen SharePoint-Add-Ins in einem iFrame und sind dadurch potenziell langsamer als Skripte in einem Skript-Editor-Webpart. Für ein optimal an die SharePoint-Website angepasstes Design ist somit auch ein gewisser Aufwand nötig.

Das SPFx bietet dagegen wiederverwendbare, leicht für Endanwender konfigurierbare, performante und leichtgewichtige Webparts, die sich mit sehr überschaubarem Aufwand an das individuelle Seitendesign anpassen lassen. Es ist als Alternative zum Add-In-Model anzusehen. Dennoch gibt es Einstiegshürden für Entwickler, wenn diese von der JavaScript-Einbettung oder SharePoint-Add-Ins auf das SPFx wechseln und bisher wenig Erfahrung haben mit typischen Open-Source-Webentwicklungstools wie den Node Package Manager, Node.js, Gulp oder Webpack. Entwickler sollten auch vertraut mit TypeScript sein bzw. sich darin einarbeiten können. Besonders am Anfang können somit Mehraufwände für die Einarbeitung entstehen.

Solche Mehraufwände lassen sich leicht rechtfertigen, wenn man langfristig mit der Entwicklung von SPFx-Webparts für Kunden einen lukrativen Weg gehen kann. Um dies zu evaluieren, müssen die aktuellen Nachteile bzw. noch fehlenden Features des SPFx betrachtet werden (Stand Mai 2017). Folgende lassen sich dabei aufzählen:

  • SharePoint On-Premise wird noch nicht unterstützt
  • Anzahl an Quellen für die Entwicklung ist noch sehr überschaubar, was insbesondere die Entwicklung komplexerer Lösungen schwierig machen kann
  • Bugs können immer wieder mal auftreten bzw. entdeckt werden, da das SPFx bislang nur in der ersten Version vorhanden ist
  • Assets der SPFx-Lösungspakete wie JavaScript- und Lokalisierungsdateien müssen für die Bereitstellung zentral (in einem öffentlichen CDN oder innerhalb des Office-365-Tenants des Kunden) hinterlegt werden (ggf. muss deshalb die SPFx-Lösung für jeden Kunden zunächst einmal paketiert werden)

Der letzte Punkt ist durch die generelle Architektur von SPFx-Webparts begründet und bringt weitere Betrachtungen mit sich, wie z.B. wo die Assets langfristig für einen Kunden gespeichert werden sollen und ob extern geladene Ressourcen (wie JavaScript-Frameworks) im Tenant des Kunden genutzt werden dürfen. Dabei sollte auch bedacht werden, dass SPFx-Lösungen als Full-Trust-Lösungen im Tenant laufen.

Wenn die Nachteile bzw. fehlenden Features des SPFx keinen Show-Stopper bei der Entwicklung einer Lösung für einen Kunden darstellen, sollte das SPFx ernsthaft in Betracht gezogen werden. Einige Punkte sprechen sehr stark für das SPFx. Insbesondere kleinere Lösungen, welche lediglich die Funktionalität bestimmter Seiten in Office 365 erweitern sollen, lassen sich mit dem SPFx sehr gut umsetzen. Für Modern Sites ist das SPFx auf jeden Fall eine sehr gute Lösung, da hier keine Skript-Editor-Webparts genutzt werden können. Auch für mobile Oberflächen sollte das SPFx in Erwägung gezogen werden.

Dennoch sollte stets ein Auge auf die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf das SPFx geworfen werden. Es ist nicht auszuschließen, dass bestimmte Verkettungen von Updates in Office 365 und im SPFx dazu führen, dass bestimmte Features in zuvor entwickelten SPFx-Webparts nicht mehr wie gewohnt funktionieren. Da das SPFx ständig weiterentwickelt wird und von Microsoft als offizielles Framework für die clientseitige Entwicklung für SharePoint Online ausgewiesen wird, kann man davon ausgehen, dass die Kompatibilität zwischen dem SPFx und Office 365 langfristig gegeben ist. Sicherheitshalber sollte man sich darauf einstellen, dass ein einmal entwickeltes SPFx-Webpart im Laufe der Zeit evtl. nochmal angepasst werden muss, weil es bestimmte Updates gegeben hat.​

Die stetige Weiterentwicklung des SPFx und anderer entwicklungstechnischen Komponenten von SharePoint und Office 365 lässt sich gut verfolgen und auf Basis der aktuellen Roadmap des SPFx lassen sich die künftigen Verbesserungen erahnen. Von Microsoft werden außerdem ausführliche Hilfestellungen​ bereitgestellt, um den Einsatz vom SPFx in Unternehmen evaluieren zu können. Zumindest der Evaluierung des SPFx für den produktiven Einsatz sollte damit nichts mehr im Wege stehen.

Erfahren Sie mehr

Office 365 Groups als Evolution von SharePoint?
Blog
Blog

Office 365 Groups als Evolution von SharePoint?

Zusätzlich zu SharePoint erlauben die Office 365 Groups es mir als Anwender, schnell und einfach neue Gruppen anzulegen und selbständig Benutzer hinzuzufügen.

Das neuste Mitglied der Office 365 Familie: Delve
Blog
Blog

Das neuste Mitglied der Office 365 Familie: Delve

Microsoft legt nach: Mit Delve startet eine neue Form des Suchens und des Auffinden von Dokumenten und Informationen.

Ich bin im Flow! – Eine Übersicht zu Microsoft Flow
Blog
Blog

Ich bin im Flow! – Eine Übersicht zu Microsoft Flow

Die Power Platform wird aktuell von Microsoft sehr stark gepusht. Zeit, sich mit dem Potenzial der einzelnen Komponenten zu beschäftigen. Heute: Flow.

Sprechen Sie LUIS? – Der intelligente Chat-Bot im Praxistest
Blog
Blog

Sprechen Sie LUIS? – Der intelligente Chat-Bot im Praxistest

Mit LUIS, der Sprach- und Texterkennungssoftware von Microsoft, und dem Bot Framework von Azure haben wir eine Lösung für den IT-Support entwickelt.

Nov
07
Webcast mit Microsoft: Das Intranet zu Ende gedacht
Webinar
Webinar

Webcast mit Microsoft: Das Intranet zu Ende gedacht

Am 07. November findet erneut eines unserer Webinare gemeinsam mit Mircosoft statt. Das Thema dieses Mal: Das Intranet zu Ende gedacht – Die Informationszentral...

novaCapta auf der Fachtagung für Interne Revision
Event
Event

novaCapta auf der Fachtagung für Interne Revision

Das Expertenteam der novaCapta präsentiert am 15. und 16. November ihre innovative Audit Management Lösung auf dem DIIR-Kongress in Dresden. Besuchen Sie unsere...

Auf Goldkurs in der Cloud
News
News

Auf Goldkurs in der Cloud

Die novaCapta hat ihren Partnerstatus bei Microsoft zusätzlich vergoldet: Auch in der Sparte Cloud Productivity haben wir jetzt den Goldstatus.

Valo ist neuer Partner der novaCapta für Intranets
News
News

Valo ist neuer Partner der novaCapta für Intranets

Durch die Partnerschaft mit Valo, dem Ready-2-Go Intranet-Baukasten aus Finnland baut die novaCapta ihr Angebot bei der Umsetzung von schnellen und funktionalen...

Mit der HoloLens ein Stück Berlin nach Köln holen
News
News

Mit der HoloLens ein Stück Berlin nach Köln holen

Im Rahmen eines zweitägigen Hackathons haben sich einige Mitarbeiter der novaCapta der Microsoft HoloLens und dem Thema Mixed Reality gewidmet. Dabei haben wir...

Azure Functions: Der Webservice ohne Webserver
Blog
Blog

Azure Functions: Der Webservice ohne Webserver

Azure Functions als Authentifizierungs-Helfer für clientseitige Lösungen mit 3rd Party APIs

Paket Dependency Manager für .NET
Blog
Blog

Paket Dependency Manager für .NET

Paket ist ein Dependency Manager für .NET, welcher es sich zum Ziel gesetzt hat einige Probleme von NuGet zu beheben.

PowerApps – Neuigkeiten, Übersicht, Tipps & Tricks
Blog
Blog

PowerApps – Neuigkeiten, Übersicht, Tipps & Tricks

Neues aus der Welt von PowerApps