Die neue User Experience für SharePoint nach SharePoint 2016

Datum

07.07.2016

Dieser Beitrag wurde verfasst von:

Julian Jung

Seit einigen Wochen liefert Microsoft eine neue User Experience für Dokumentenbibliotheken in Office 365 aus.

Die neue User Experience erinnert dabei sehr stark an das, was wir bereits aus den Office 365 Groups oder OneDrive for Business kennen

Dabei übernehmen die Dokumentenbibliotheken in SharePoint Online vieles, was ich bereits an den Office 365 Groups sehr schätze (siehe auch Office 365 Groups als Evolution von SharePoint?). So wird das überladene Ribbon mit seinen fast 50 Buttons (ich habe nachgezählt) durch die vier wichtigsten Aktionen abgelöst. Die Aktionsleiste ist kontextabhängig und bietet bei der Auswahl von Dokumenten entsprechende Aktionen an:

Die neue Ansicht ist darüber hinaus bereits nativ responsive und passt sich entsprechend meiner Auflösung automatisch an. Dies sollte man bei der Planung seiner Responsive-MasterPage-Projekte trotz des jüngst veröffentlichten PnP-Patterns dringend beachten.

Bereits auf der Microsoft Ignite im Mai 2015 hat Microsoft empfohlen, die MasterPage in Office 365 nach Möglichkeit nicht mehr zu modifizieren, sondern über Technologien wie Theming, CSS und JavaScript Injection zu modifizieren (siehe dazu: Deep Dive into Safe SharePoint Branding in Office 365 Using Repeatable Patterns and Practices). Schaut man sich an, welche Entwicklung die Microsoft UI in den vergangenen drei Jahren in Office 365 durchgemacht hat, so ist dies durchaus sinnvoll.

Gleichzeitig fällt auf, dass das neue Modell komplett auf eine globale Navigation verzichtet. Ich bin sehr gespannt, welche Alternative für das seitenübergreifende Navigieren genutzt werden soll – zumal ich keinen Button für das Folgen von Seiten entdecken konnte.

Durch den Wegfall des Ribbons sind auch die Library Settings verschwunden. Diese finden sich nun im Zahnrad-Menü von Office 365 und sind offensichtlich vom aktuellen Kontext-Menü abhängig. Wie dies allerdings aussieht, wenn mehrere Dokumentenbibliotheken auf einer Seite sind oder ob das WebPart-Modell nun auch gestorben ist, bleibt eine der offenen Fragen.

SharePoint als Commodity-Service?

Wenn ich mir die Entwicklung des Evergreen Services Office 365 der vergangenen Jahre anschaue, so entwickelt dieser sich zunehmend zu einem reinen Commodity-Service, der so verwendet wird, wie Microsoft ihn ausliefert.

In der Vergangenheit ist Office 365 um einige Ready-To-Go-Portale gewachsen (Video, Delve, Office 365 Groups) die weitestgehend ohne Konfiguration auskommen und ich bin überzeugt davon, dass mit InfoPedia etc. weitere solcher Portale folgen werden.

Doch wenn SharePoint zur reinen Commodity verkommt, wie nutze ich die Stärke der flexiblen Anpassungen, die dieses Produkt in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht haben?

Die Antwort dazu hat Microsoft mit der Einführung des App-Modells in SharePoint 2013 geliefert. Dieses erlaubt es mir, SharePoint ohne große Anpassungen des Auslieferungszustands um weitere Funktionen zu erweitern und somit weitestgehend im Standard und kompatibel zu bleiben – leider sind diese Lösungen weiterhin um einiges kostenintensiver als es z.B. derzeit eine reine konfigurative Lösung mit Nintex ist.

Die SharePoint-Entwicklung vor dem Ende?

Geht Microsoft diesen Weg konsequent zu Ende, werden SharePoint Farm Solutions nach SharePoint 2016 gänzlich der Vergangenheit angehören und zukünftig nicht mehr unterstützt.

Spannend bleibt die Frage, ob ich zukünftig weiterhin die Möglichkeit haben werde, tolle und schnelle Lösungen einfach “zusammenzuflicken”, indem ich verschiedene Listen miteinander verbinde, Workflows einsetze oder Formulare verwende.

Wäre ich der Betreiber eines Cloud-Services für mehrere Millionen Anwender, würde ich vermutlich versuchen, alles, was vom Standard abweicht und somit nicht skaliert, zu vermeiden. Das App-Modell schließt genau diese Lücke, wenn auch zu einem derzeit höheren Preis.

Es bleibt daher spannend, ob und in welchem Ausmaß die SharePoint-Entwicklung in Zukunft eine Rolle spielt oder ob die meisten Anwender SharePoint als reine Collaboration-Plattform nutzen, die dem Auslieferungszustand von Microsoft entspricht.

Dadurch würde in den nächsten Jahren die Beratung zum richtigen Einsatz und zur Einführung dieser Technologie (Stichwort: Change and Adoption) stark an Bedeutung gewinnen.

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