DevOps: „The Phoenix Project“

Datum

18.01.2019

Dieser Beitrag wurde verfasst von:

Bianca Rau

Die Handlung:

Bill, unser Protagonist, ist der Direktor von Midrange Operations bei Parts Unlimited, einem US-amerikanischem Konzern. Bill wird ohne Vorwarnung vom CEO zu sich gerufen und überredet, die Position als VP of IT Operations zu übernehmen. Es wird schnell klar, dass Bill und sein Team letztendlich dafür verantwortlich sind, das riskante, im Grunde bereits zum Scheitern verurteilte Projekt Phoenix zum Erfolg zu führen. Besagtes Projekt ist nicht nur bereits weit über Zeit- und Budgetplanung hinaus, die Zukunft des Unternehmens scheint auch daran zu hängen.

Angesichts des Konflikts zwischen den Anforderungen des Project Phoenix, der Bewältigung dauernd anfallender Notfälle und Konkurrenzprojekten geraten Bill und sein Team in eine Spirale von Problemen, Fehlern und durchaus auch Verzweiflung. Dank eines wachsenden Einblicks in die Lean-, Agile- und DevOps-Konzepte schaffen sie es aber, ihre Arbeitsweise schrittweise weiterzuentwickeln.

Der Hintergrund

Ich arbeite im Marketing – zugegeben, in einer IT-Firma (das habe ich mir sogar so ausgesucht), aber ich habe in meinem Berufsalltag theoretisch wenige Berührungspunkte mit dem Thema DevOps. Meine Kollegen allerdings schon. Die Kombination aus einer Buchempfehlung von einem dieser Kollegen und einer hochmotivierten Chefin führte also nun dazu, dass ich The Phoenix Project lesen „durfte“. Und was soll ich sagen, so schlimm war es gar nicht, selbst als Laie. Zumindest thematisch.

Das Buch auf Englisch zu lesen war zumindest insofern von Vorteil, als dass ich mir über Schreibstil und Fähigkeiten der Autoren wesentlich weniger Sorgen machen musste als im Deutschen. Die mittelprächtig entwickelten Charaktere hingegen und auch die extreme Überzogenheit der Geschichte, das Helden- bzw. Anti-Heldentum, die Klischees – das war mir an so mancher Stelle einfach zu viel des Guten. Vielleicht auch einfach zu Amerikanisch. Und wieso immer diese Überraschung, dass Konzepte, die auf andere Arbeitsweisen passen und diese um ein Vielfaches vereinfachen, auch auf die IT greifen?

Bestes Beispiel: IT und Supply Chain

Bill wird in der Geschichte oft von einem (zukünftigen) Vorstandsmitglied darin angeleitet, wie man den Arbeitsablauf in seiner IT-Organisation am besten visualisieren und so auch verbessern kann: mit der Fertigungshalle von Parts Unlimited; die sogenannte „source of truth“. Im Werk konnte man nachverfolgen, wie Bestände über WIP (Work in Progress) verarbeitet und schließlich an Kunden ausgeliefert werden. Und eben auch wo die größten potenziellen Engpässe entstehen und wie diese vermieden werden können.

Und so musste Bill erkennen, dass der Wissensarbeiter der IT und die Abläufe der Abteilung durchaus vergleichbar sind mit einer einfachen Produktionsstraße. Wobei der springende Punkt natürlich nicht der (schmerzliche) Lernprozess war, sondern dass mit Kanban und Lean im Grunde nicht einfach theoretische Prozesse, sondern die praktischen, tagtäglichen Tätigkeiten dahinter sitzender Menschen optimiert wird.

Die IT wird zu einer unternehmensweiten Fähigkeit

Der Anspruch des Buches ist aber auch kein Literaturpreis – da kann man für die Vermittlung von Zusammenarbeits-Strategien auch mal die Kirche im Dorf lassen. Denn The Phoenix Project soll im Grunde eben „nur“ ein Gleichnis sein. Über das Medium der Fiktion präsentiert es unkonventionell DevOps-Konzepte und versucht auch den Leser zur Aufgeschlossenheit zu ermuntern.

Neben der Botschaft des Buches, dass Business- und IT-Teams bei Projekten besser zusammenarbeiten sollen bzw. müssen, zeigen die Autoren auch praktische Beispiele für Arbeitsweisen auf, die durchaus sinnvoll erscheinen. Was hier immer unbestreitbar bleibt, ist die Tatsache, dass kaum ein Geschäftsbereich heute noch ohne IT auskommt in einem Unternehmen. Ein besseres Verständnis der jeweiligen Arbeitsweisen und Anforderungen kann also nur vorteilhaft sein. Allein schon dafür sollten Entscheidungsträger im Unternehmen bestimmte Konzepte und Denkansätze kennen – quasi eine Pflichtlektüre-Liste.

Feedback, Automatisierung und transparente Zusammenarbeit

Den Ansatz der gemeinsamen Verantwortung und der Sicherstellung, dass Projekte klar mit den Zielen der Organisation verknüpft sind, unterstreicht eine weitere interessante DevOps-Botschaft im Buch – dass eine frühe Feedback-Schleife im Projektzyklus, an der alle Interessengruppen und Projektmitglieder beteiligt sind, Effizienz und Qualität fördern kann. Und vor allem, dass so Erwartungshaltungen, Verbesserungsvorschläge und weiteres Vorgehen immer wieder zu Beginn (nach-)besprochen werden können.

Da Bill und sein Team einen agilen Ansatz verfolgen, um ihren Projektrückstand zu priorisieren und Anforderungen zu sammeln, vermeiden sie den Stau durch sich ändernde Ziele von Anforderungen und Zeitvorgaben, unter dem sie früher litten. So sind sie nach und nach immer eher bereit, kürzere, iterative Entwicklungszyklen durchzuführen, die es ihnen ermöglichen, Probleme früher zu erkennen und Ergebnisse an das Unternehmen weiterzugeben.

Im Wesentlichen laufen größere Projekte also besser, wenn sie in überschaubare Teile zerlegt werden; wir uns bemühen, mit anderen in verschiedenen Teams Rücksprache zu halten; wir die Ergebnisse überprüfen und bei Bedarf Anpassungen am Projekt vornehmen; und wir lernen, wie man Prozesse für Wiederholbarkeit und höhere Genauigkeit standardisiert (wenn möglich sogar automatisiert), für das nächste Mal verbessert und diese Erfahrung dann auch noch kommuniziert.

Fazit

Das Prinzip von DevOps ist einleuchtend und im Grunde ist man fast schon darüber erschrocken, dass es so nicht schon immer gemacht wurde in Unternehmen bzw. Projekten. Aber jeder von uns weiß, dass es oft abseits von Konzepten läuft und eben oft auch funktioniert. Mit heruntergeschraubten Ansprüchen an die literarische Seite des Romans und einem Fokus auf die eigentliche Message kann man hier aber durchaus gute Denkanstöße und vielleicht auch die entscheidende Portion Motivation mitnehmen, die es braucht, um im nächsten eigenen Projekt ein paar gute Änderungen voranzutreiben.

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